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	<title>AM ANFANG</title>
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		<title>Letzte Nacht meinte meine Mutter sie sei so müde und erledigt.</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2012 07:37:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Letzte Nacht meinte meine Mutter, sie sei so müde und erledigt. * Ich schob den Staubsauger über den Parkettboden und der Gummirüssel verschlang die Papierfetzen, die meine Mutter im ganzen Wohnzimmer verteilt hatte. „Mir wird das alles zu viel“, sagte sie, als ich das Kabel aufrollte und den Staubsauger zurück in die Abstellkammer brachte. Sie [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Letzte Nacht meinte meine Mutter, sie sei so müde und erledigt. *</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amanfang.de/letzte-nacht-meinte-meine-mutter-sie-sei-so-mude-und-erledigt/mutter/" rel="attachment wp-att-542"><img class="alignnone size-full wp-image-542" title="Foto: Arne Bratenstein" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/05/mutter.jpg" alt="Leuchtschild mit der Aufschrift &quot;Mutter&quot;" width="500" height="375" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Ich schob den Staubsauger über den Parkettboden und der Gummirüssel verschlang die Papierfetzen, die meine Mutter im ganzen Wohnzimmer verteilt hatte. „Mir wird das alles zu viel“, sagte sie, als ich das Kabel aufrollte und den Staubsauger zurück in die Abstellkammer brachte. Sie hatte sämtliche Fotos aus einem Album, das ich ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, in kleine Stücke gerissen. Ich schickte sie ins Bett und sie band sich den Bademantel vor dem Bauch mit einer Schleife zu und wankte die Treppenstufen nach oben.</p>
<p style="text-align: justify;">Es hatte mit den kleinen Dingen begonnen: Im Supermarkt vergaß meine Mutter ihren Geldbeutel und die Kassiererin musste ihn ihr nach Dienstschluss vorbeibringen. Ein paar Tage später verließ meine Mutter das Haus ohne Schuhe, bis eine Nachbarin sie zurück in die Wohnung begleitete.</p>
<p style="text-align: justify;">„Überall Halunken und Ganoven“, sagte meine Mutter, als ich auf dem Weg zur Arbeit bei ihr nach dem Rechten sah. Sie lag mit geringelten Wollstrümpfen, die sie bis zu den Knien hoch gezogen hatte, auf dem Sofa.</p>
<p style="text-align: justify;">„Was meinst du?“</p>
<p style="text-align: justify;">„Sie haben mir meinen Schlüssel gestohlen. Und meinen Kaffee. Meine Hausschuhe sind weg. Und ich habe keine Uhr mehr.“</p>
<p style="text-align: justify;">Ich lief durch die Zimmer ihrer Wohnung, fand den Schlüssel in der Besteckschublade, die Hausschuhe in der Badewanne, den Kaffee im Schirmständer und die Uhr zwischen den Socken und Unterhosen.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-540"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Jeden Tag gab meine Mutter mir einen anderen Namen: Ich war ihr Mann Gerd und sollte ihr Eierkuchen zum Frühstück machen und aus der Zeitung vorlesen. Ich war auch ihr älterer Cousin Erwin und sollte ihr äthiopischen Filterkaffee kochen und dabei Gedichte von Joachim Ringelnatz rezitieren. Dann war ich wieder ihr Nachbar August und sollte ihren getrockneten Kaffeesatz auf einen flachen Teller kippen und die Figuren für sie deuten. Die Männer waren alle seit Jahren nicht mehr am Leben. Wenn ich meine Mutter daran erinnerte, nickte sie und hatte es am nächsten Tag wieder vergessen. Hin und wieder war ich auch ich selbst: Martin, der einzige Sohn, der ihre Spülkästen reparierte, ihren Rasen mähte und ihre Autoreifen wechselte.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich war kaum noch bei meiner eigenen Familie. Elisa ließ die Kinder auf meine Mailbox schreien, wenn sie sich beim Spielen die Knie aufschlugen oder sich Playmobilfiguren an den Kopf warfen. Ich versuchte Elisa zu beruhigen, indem ich ihr immer und immer wieder versicherte, dass ich die Sache mit meiner Mutter bald geklärt hätte. Bald. Ganz bald. „Bis du dir sicher, dass du deine Mutter nicht zu einem Arzt schicken solltest? Vielleicht ist es etwas Ernstes?“, sagte Elisa. „Das geht vorbei“, sagte ich, „ganz bestimmt.“ Elisa gewährte mir eine Gnadenfrist von zwei weiteren Wochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach der Arbeit hielt ich am Getränkemarkt und kaufte ein paar Kisten Mineralwasser und Saft für meine Mutter. Ihre Haustür stand offen. Ich rief nach ihr und trug die Getränke in den Keller. Sie war nicht in den Zimmern, nicht im Garten, nicht in der Garage. Ihr beiger Mantel hing nicht in der Garderobe und ihre Hausschuhe lagen neben einer leeren Milchflasche und einem verfaulten Apfel auf dem Küchentisch. Die Kühlschranktür stand offen. Ich klingelte bei der Nachbarin, die meine Mutter den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit herunter gekurbelter Fensterscheibe fuhr ich kreuz und quer durch das Viertel. Ich suchte meine Mutter an den Bushaltestellen und im Warteraum des Bahnhofs, ich hielt an der Apotheke und am Blumenladen, ich sprach mit dem Verkäufer am Zeitungskiosk und mit einer Parkraumüberwacherin, die vor der Post Knöllchen verteilte. Niemand hatte meine Mutter gesehen. Auch die Kassiererin im Supermarkt zuckte nur ratlos mit den Schultern. Ich beschloss, zu Elisa zu fahren und die Polizei zu verständigen. An einer roten Ampel trommelte ich auf das Lenkrad und fluchte. Ich schaltete das Autoradio an und fluchte. Ich wechselte die Sender und fluchte. Bis mich die Verkehrsmeldungen aufhorchen ließen: &#8220;Achtung Autofahrer auf der A8: Zwischen Irschenberg und Bad Aibling kommt Ihnen auf dem Seitenstreifen eine Frau ohne Schuhe entgegen. Sie trägt einen beigen Mantel und Ringelsocken.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* Der erste Satz stammt von Jochen Distelmeyer. Ein Vorschlag von <a title="Max Scharnigg" href="http://jetzt.sueddeutsche.de/jetztpage/max-scharnigg" target="_blank">Max Scharnigg</a>.</p>
<p>Foto: Arne Bratenstein</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=540&amp;md5=758e87db01517c9ac0dc21019b13a592" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen &#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 09:59:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin. *   Konrad hatte die Wohngemeinschaft verlassen, um im Spätkauf ein Paket Butter zu kaufen. Er war alleine im Dienst, sein Kollege Janek hatte frei. An anderen Tagen wäre das kein größeres Problem gewesen. Aber eben nur an anderen Tagen. Vor ein [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin. *</strong></p>
<p style="text-align: justify;"> <a href="http://www.amanfang.de/als-konrad-lang-zuruckkam-stand-alles-in-flammen/bike/" rel="attachment wp-att-515"><img class="alignnone size-full wp-image-515" title="Foto: Will Vanlue" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/04/bike.jpg" alt="Ein Legomännchen mit rotem Fahrrad" width="500" height="333" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Konrad hatte die Wohngemeinschaft verlassen, um im Spätkauf ein Paket Butter zu kaufen. Er war alleine im Dienst, sein Kollege Janek hatte frei. An anderen Tagen wäre das kein größeres Problem gewesen. Aber eben nur an anderen Tagen.</p>
<p style="text-align: justify;">Vor ein paar Monaten war Konrad Lang als Sozialarbeiter in der Wohngemeinschaft eingestellt worden. Zusammen mit Janek betreute er drei Männer um die 50: Malte, Henry und E. E hieß eigentlich Emmanuel. Aber niemand nannte ihn mehr so. Schon im Kindergarten war der Name allen zu lang. E riefen sie ihn. Immer nur E.</p>
<p style="text-align: justify;">Unter der Woche fuhren Malte, Henry und E jeden Morgen mit dem Bus zu den Werkstätten. Malte in die Tischlerei, Henry zum Gartenbau und E in einen Fahrradladen. An diesem Abend lag Malte in der Badewanne, Henry bastelte Schneeflocken für seine Modelleisenbahn und E sollte das Holz im Kamin anzünden. Für den Filmabend.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-514"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Konrad erwischte E nicht bei den Holzscheiten sondern vor dem offenen Kühlschrank. „Wo ist die Butter?“, fragte E und stampfte wütend mit einem Fuß auf, immer und immer wieder.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wir haben keine mehr. Ich gehe später einkaufen“, sagte Konrad.</p>
<p style="text-align: justify;">„Später ist zu spät.“</p>
<p style="text-align: justify;">„Kannst du dein Brot nicht einmal ohne Butter essen?“</p>
<p style="text-align: justify;">„Kein Brot. Ich will Kuchen backen.“</p>
<p style="text-align: justify;">„Na gut. Aber rühr dich nicht von der Stelle.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Haustür fiel krachend hinter Konrad ins Schloss. Auf dem Weg kam er an einer Apotheke vorbei und beschloss, schnell noch  eine Packung Kopfschmerztabletten zu kaufen. Der Abend konnte lang werden. Die Verkäuferin verstrickte ihn in ein Gespräch über die unterschätzte Gefahr von Zeckenbissen und die besten Mittel gegen Orangenhaut bei Männern.</p>
<p style="text-align: justify;">E stand wie fest gefroren in der Küche. Er wartete und wartete und wartete. Dann fiel die Haustür krachend hinter E ins Schloss. Auf der Straße merkte er, dass er nur einen Schuh anhatte. Er humpelte Richtung Spätkauf. Bis ihm einfiel, dass er ohne Geldbeutel unterwegs war. E trat gegen eine Straßenlaterne. Und zwar mit dem schuhlosen Fuß. Sein Schrei war bis in die Apotheke zu hören. E kehrte um und klingelte so lange an der Wohnung, bis Henry ihm mit einer Klebepistole in der Hand die Tür öffnete.</p>
<p style="text-align: justify;">Konrad Lang bekam Seitenstechen, als er zurück zur Wohngemeinschaft rannte. Schon von der Straße aus sah er Rauchschwaden. „Verwechselt, verwechselt“, rief E, als er Konrad entgegen kam. E hatte im Wohnzimmer gestanden und nur an Maria gedacht. Beim Dienst im Fahrradladen war er mit ihr ins Gespräch gekommen. Er hatte ihr eine Klingel für ihr rotes Fahrrad verkauft und sie hatte versprochen, am nächsten Tag wiederzukommen. War das ein Date? Malte sagte: Ja. Henry sagte: Nein. E stellte sich vor, wie er Maria am nächsten Tag einen Kuchen in die Hand drücken und sie zum Kaffee einladen würde. Während er überlegte, was sie wohl antworten würde, begann er zu zündeln. Ein Holzscheit neben dem Kamin fing Feuer. E bemerkte seinen Fehler erst, als der Teppich und die Gardine Feuer fingen. Malte und Henry mussten ihn nach draußen ziehen. Malte trug nur einen Bademantel. Und Henry hatte sich die Klebepistole in den Bund seiner Trainingshose gestopft. Als die Feuerwehr vorfuhr, stand alles in Flammen. Außer dem Holz im Kamin. Es war Konrad Langs letzter Arbeitstag.</p>
<p style="text-align: justify;">* Der erste Satz stammt aus „Small World“ von Martin Suter. Ein Vorschlag von Franziska Jäpel.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Will Vanlue</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=514&amp;md5=536ac1880494d40cef0598a546f541fb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Es war inzwischen beinahe Donnerstag&#8230;</title>
		<link>http://www.amanfang.de/es-war-inzwischen-beinahe-donnerstag/</link>
		<comments>http://www.amanfang.de/es-war-inzwischen-beinahe-donnerstag/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 09:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Es war inzwischen beinahe Donnerstag und noch immer hatte man die Beinprothese des Herrn Grafen nicht gefunden. * Kornelius, der kleinwüchsige Bedienstete mit der Hornbrille, hatte seinen Tagesrhythmus umgestellt und durchforstete den Garten der Villa nach der Gehhilfe, die der Herr Graf für ein Mittagsschläfchen in der Sonne abgenommen hatte und die nach seinem Erwachen [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war inzwischen beinahe Donnerstag und noch immer hatte man die Beinprothese des Herrn Grafen nicht gefunden. *</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de/es-war-inzwischen-beinahe-donnerstag/melissa-gray-erdbeeren/" rel="attachment wp-att-465"><img class="alignnone size-full wp-image-465" title="Foto: Melissa Gray " src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/03/melissa-gray-erdbeeren.jpg" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Kornelius, der kleinwüchsige Bedienstete mit der Hornbrille, hatte seinen Tagesrhythmus umgestellt und durchforstete den Garten der Villa nach der Gehhilfe, die der Herr Graf für ein Mittagsschläfchen in der Sonne abgenommen hatte und die nach seinem Erwachen auf einmal spurlos verschwunden war. Hatte der Hund des Hauses sich einen Spaß erlaubt? War ein Kind im Spiel? Wollte einer der Bediensteten dem Grafen einen üblen Scherz spielen? Kornelius suchte zwischen Rhododendren und Schwertlilien, Perückenstrauch und Rosskastanie, Löwenmäulchen und Rispenfuchsschwanz und fand nichts weiter als einen alten Pullover des Herrn Grafen und einen blauen Gummistiefel, den der Gärtner am Seerosenteich verloren hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Frau Gräfin wollte das jämmerliche Schauspiel rund um ihren einbeinigen Gatten nicht mit eigenen Augen ansehen und zog sich in ihr Schlafzimmer zurück. Wenn Kornelius ihr frischen Tee oder ihre heiß geliebten Pfefferminztäfelchen brachte, fragte die Frau Gräfin als Erstes nach der Beinprothese ihres Gatten und warf Kornelius angesichts des ausbleibenden Sucherfolgs aus dem Zimmer, indem sie ihn mit einem ihrer größten Kissen bewarf und ihn in einem Atemzug wütend als Tollpatsch, Nichtsnutz und Hängebauchschwein bezeichnete. „Es ist inzwischen beinahe Donnerstag“, rief sie Kornelius wütend hinter her, als dieser schon wieder mit hängenden Schultern Richtung Garten marschierte.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-464"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Die Beinprothese des Herrn Grafen war eine Spezialanfertigung. Nach ausführlichen Messungen hatte der Orthopäde 21 Tagen daran gearbeitet. Längst hatte Kornelius ein Duplikat bei ihm angefordert, doch bis Donnerstag konnte und wollte der Orthopäde keine neue Beinprothese anfertigen, egal wie viel Geld die Frau Gräfin ihm dafür versprach. Es mangele Kornelius offenbar am tiefergehenden Verständnis für die hohe Kunst der Prothesen, sagte der Orthopäde und warf den Bediensteten aus dem Laden. Also suchte Kornelius im Garten der Villa zwischen Engelwurz und Wiesenkerbel, Magnolien und Wunderblumen, Flieder und Tulpenbaum nach der Gehhilfe und fand nichts weiter als ein durchweichtes Vogelbestimmbuch und den zweiten Gummistiefel des Gärtners.</p>
<p style="text-align: justify;">An diesem Donnerstag wollte die Frau Gräfin nicht nur ihren Geburtstag feiern, es hatte sich auch ein Vertreter der Regierung angemeldet, der sie für ihr Engagement zum Schutz der Asiatischen Wasserschildkröte auszeichnen wollte. Vor allem das Schicksal der Glattrückigen Schlangenhalsschildkröte, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stand, hatte es der Frau Gräfin angetan und sie ließ Vorträge organisieren, in denen über die Schildkrötenarten informiert wurde, die aufgrund eines zusätzlichen Atmungsorgans zwar 15 Stunden am Stück tauchen konnten, den vielen Schmugglern allerdings nicht entkommen konnten. Zur Feier des Tages ließ die Frau Gräfin einen Sektempfang organisieren, für den die Bediensteten die ganze Villa mit Rosenblüten und bunten Bändern schmücken mussten. Vertreter mehrerer Zeitungen und Magazine hatten sich angekündigt und wollten ihre Fotografen mitbringen, um die Frau Gräfin mit der Auszeichnung und dem Gatten ablichten zu können. Doch einbeinig komme ihr Gatte nicht mit auf das Bild, auf gar keinen Fall, das Urteil der Frau Gräfin stand fest.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Herr Graf fügte sich in sein Schicksal und zog sich während der Feier seiner Gattin auf seinen Lieblingsplatz im Garten zurück. Einbeinig saß er auf der Bank aus Eichenholz, in der Hand eine große Kiste mit seinen Lieblingsinsekten. Mit einer Lupe begutachtete er den braunroten Oberkiefer des Hirschkäfers, die kräftigen Mundwerkzeuge des Berg-Sandlaufkäfers und die langen Fühler des Moschusbocks. Als in der Villa die Journalisten ihre Notizbücher einsteckten und die Fotografen ihre Stative einklappten, lief Kornelius zum Grafen, um ihn mit eisgekühlter Limonade, frischen Erdbeeren und Butterkeksen aufzuheitern und das weitere Vorgehen angesichts der nach wie vor unauffindbaren Beinprothese mit ihm zu besprechen. Als der Herr Graf hörte, dass alle geladenen Gäste die Villa wieder verlassen hatten und seine Gattin sich mit einer hartnäckigen Migräne in ihr Schlafzimmer zurück gezogen hatte, wo sie für den Rest des Tages nicht mehr gestört werden wollte, klappte er die Kiste mit den Insekten freudig zu. „Wenn Sie so freundlich wären, die Sockenschublade in meiner Biedermeierkommode zu durchsuchen“, sagte der Graf zu Kornelius, „wer weiß, wer weiß, was sie unter meinen mintgrünen Strümpfen hervor ziehen werden.“</p>
<p>* Der erste Satz stammt aus Edward Goreys &#8220;Ein sicherer Beweis&#8221; (The Object Lesson). Ein Vorschlag von <em><a title="Saša Stanišić" href="http://www.kuenstlicht.de" target="_blank">Saša Stanišić</a></em>.</p>
<p>Foto: Melissa Gray</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=464&amp;md5=e87227d48bc9d8409f3f042e3b343324" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Hast du dich schon entschieden?</title>
		<link>http://www.amanfang.de/hast-du-dich-schon-entschieden/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 10:46:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Hast du dich schon entschieden?“ * Eduardo sah mich fragend an. Vom meinem Platz auf der Wiese betrachtet sah er merkwürdig verzerrt aus: Ein riesiger Kopf, der auf dünnen Armen und noch dünneren Beinen saß. Ich kannte ihn erst seit wenigen Minuten. Er war einfach stehen geblieben und hatte mich beim Lesen im Park beobachtet. [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">„Hast du dich schon entschieden?“ *</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amanfang.de/hast-du-dich-schon-entschieden/park/" rel="attachment wp-att-420"><img class="alignnone size-full wp-image-420" title="Foto: Daniel Horacio Agostino" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/02/park.jpg" alt="Eine Frau sonnt sich auf einer Wiese" width="500" height="333" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Eduardo sah mich fragend an. Vom meinem Platz auf der Wiese betrachtet sah er merkwürdig verzerrt aus: Ein riesiger Kopf, der auf dünnen Armen und noch dünneren Beinen saß. Ich kannte ihn erst seit wenigen Minuten. Er war einfach stehen geblieben und hatte mich beim Lesen im Park beobachtet. Minutenlang. Bis ich zurück starrte.</p>
<p style="text-align: justify;">„Ist das Buch gut?“, fragte er.<br />
„Ja.“<br />
„Leihst du es mir?“<br />
Ich schwieg. Sollte ich? Sollte ich nicht? Wer war das überhaupt?<br />
„Ich geb’ dir zwei Flaschen Bier als Pfand dafür!“, sagte er.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich stand auf. Eduardo band sich die langen Haare zu einem Pferdeschwanz und erzählte ohne Punkt und Komma, warum er in Berlin war. Ich war müde vom Feiern und verstand nur einzelne Wörter: Sprachkurs, Jobsuche, Chillen. Er zog Fotos von seiner Familie aus dem Geldbeutel. Und das Bild von einem Strand in Malaga. Seinem Lieblingsstrand. Als er seine Gitarre in die Hand nahm, ein Jack-Johnson-Lied spielte und lauthals mitsang, gab ich auf. Bier und Buch wechselten ihren Besitzer und wir verabredeten uns für die Rückgabe. Die gleiche Stelle, die gleiche Zeit, drei Tage später.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-418"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Als ich am Treffpunkt erschien, lag Eduardo schon im Park. Er sonnte sich mit geschlossenen Augen und fuhr zusammen, als ich ihn mit der Schuhspitze antippte.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wo ist das Pfandbier?“, fragte er.<br />
„Ausgetrunken. Und wo ist mein Buch?“<br />
„Ausgelesen.“<br />
„Gibst du es mir nicht zurück?“<br />
„Erst will ich meine Flaschen zurück!“<br />
Ich schüttelte den Kopf. „Du bist ein Pfennigfuchser!“<br />
„Du Kopfdick!“, sagte Eduardo.<br />
„Das heißt Dickkopf!“<br />
„Ihr mit euren komischen Wörtern. Das kann sich doch niemand merken.“</p>
<p style="text-align: justify;">Eduardo schrie fast. In unserer Nähe hoben alle die Köpfe und musterten uns. Als nichts weiter geschah konzentrierten sie sich wieder auf ihr Picknick, ihre Bücher, ihre Gespräche. Eduardo und ich starrten uns eine Weile wortlos an. Es war wie in dem Kinderspiel: Wer zuerst blinzelt, verliert.</p>
<p style="text-align: justify;">Eduardo wandte sich ab. Die Sonne war hinter einer dunklen Wolke verschwunden. Die Leute im Park falteten ihre Picknickdecken zu Quadraten und verließen den Park. Die Wettervorhersage sagte es schon: Am Abend nichts als Regen. Während die ersten Regentropfen fielen, begann Eduardo Flaschen zu sammeln. Als ihm ein Teil des Leerguts aus den Armen fiel, verschwand er zum Späti. Auf dem Rückweg klimperten seine Hosentaschen bei jedem Schritt. Er blieb vor mir stehen, in den Händen zwei volle Bierflaschen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Frieden?“, fragte er und reichte mir eine der Flaschen.<br />
„Frieden!“, sagte ich.<br />
Wir begannen über das Buch zu reden.<br />
„Der Anfang ist gut, in der Mitte hängt es durch und das Ende ist falsch“, sagte Eduardo.<br />
„Warum falsch?“, fragte ich.<br />
„ Die Frau verschwindet einfach. Das ist falsch.“<br />
„Sie weiß keinen Ausweg. Das ist nicht falsch, das ist nur pragmatisch.“<br />
„Ich muss mit der Frau reden.“<br />
„Die Frau wohnt in dem Roman. Wie soll das gehen?“<br />
„Ich suche sie im Buchtelefon.“<br />
„Eduardo, das heißt&#8230;“</p>
<p style="text-align: justify;">Es war dunkel geworden. Wir liefen gemeinsam zur nächsten U-Bahn-Station. Was Eduardo nicht wusste: es war mein Lieblingsbuch. Ich hatte es 37 Mal gelesen und jeden Tag dabei. Ich fühlte in meiner Rocktasche nach, ob das Flugticket noch da war. Am Morgen hatte es noch nach einem großartigen Plan geklungen: Wie die Frau in meinem Roman würde ich allen Problemen davon fliegen. Auf und davon sein. Eduardos Kopf wackelte beim Gehen hin und her. Über unseren Köpfen flogen kleine Tiere. „Hast du das gesehen?“, fragte Eduardo, „da war eine Mausfleder!“ Ich verbesserte ihn nicht mehr. Was war schon falsch, was war schon richtig.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ich fast im U-Bahnschacht verschwunden war, rief Eduardo noch einmal meinen Namen. Ich drehte mich um.<br />
„Du hast das Buch vergessen!“, rief er.<br />
„Ich schenk’ es dir. Schreib es um!“<br />
Eduardo lachte. „Du hast Recht. Ich schreibe das Ende richtig!“<br />
In der U-Bahn holte ich das Ticket aus meiner Tasche und zerriss es in kleine Stücke.</p>
<p style="text-align: justify;">* Der erste Satz stammt von Frauke Czeremin.</p>
<p>Foto: Daniel Horacio Agostino</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=418&amp;md5=ceb70571ca0f4b7a6b38c770d5cae53a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Als ich erwachte, sah ich&#8230;</title>
		<link>http://www.amanfang.de/als-ich-erwachte-sah-ich/</link>
		<comments>http://www.amanfang.de/als-ich-erwachte-sah-ich/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 11:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Als ich erwachte, sah ich, dass sich ein einzelner Zombie unter mein bescheidenes Versteck verirrt hatte.“ * Nils sah mich erwartungsvoll an. „So geht das schon seit Wochen. Und es sind nicht nur Zombies. Einmal habe ich mich nachts in den Verteidigungsminister verwandelt und sollte im Schlafanzug nach Afghanistan reisen, einmal wurde ich von einer [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Als ich erwachte, sah ich, dass sich ein einzelner Zombie unter mein bescheidenes Versteck verirrt hatte.“ *</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de/als-ich-erwachte-sah-ich/zombies/" rel="attachment wp-att-431"><img class="alignnone size-full wp-image-431" title="Foto: Caio Schiavo" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/02/zombies.jpg" alt="Ein Zombiewalk" width="500" height="375" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Nils sah mich erwartungsvoll an. „So geht das schon seit Wochen. Und es sind nicht nur Zombies. Einmal habe ich mich nachts in den Verteidigungsminister verwandelt und sollte im Schlafanzug nach Afghanistan reisen, einmal wurde ich von einer Horde riesiger Kaninchen mit erhobenen Äxten verfolgt. Jedes Mal wundere ich mich mitten im Traum, dass ich so seltsam träume. Was bedeutet das?“ Ich zuckte ratlos mit den Schultern und musterte die Kleinfamilienfotos an den Wänden. Vier Jahre hatten wir uns nicht gesehen, Nils und ich, und schon erkannte ich ihn nicht mehr wieder. Der alte Nils hatte für eine Weltreise gespart, war an der Uni im 17. Semester eingeschrieben und mochte keine Hochzeiten. „Wenn ich jemals heirate, dann nur mit Plastikringen, Polaroidfotos und einem Menü bei McDonalds“, sagte er, als fast unser ganzer Freundeskreis Versprechungen für die Ewigkeit machte.</p>
<p style="text-align: justify;">Während wir auf Kaffee und Kuchen warteten erfuhr ich, dass der neue Nils mit einem Einserabschluss die Uni beendet hatte, an einem Gymnasium als Deutsch- und Geschichtslehrer arbeitete und seit vier Monaten mit Anna verheiratet war. Der Ring an seiner Hand war aus Silber. Und ihr gemeinsamer Sohn Finn lernte gerade laufen. Der Kleine stolperte durchs Zimmer, hielt sich schwankend an der Decke des Wohnzimmertischs fest. Bücher, Zettel und Stifte fielen herunter. Nils reagierte langsam. „Komm her, Finn, komm.“ Finn setzte einen Fuß vor den anderen, schwankte mit dem Oberkörper nach links und nach rechts. Auf dem Weg zu Nils stolperte er über die Bücher, Zettel und Stifte auf dem Boden. Finn brüllte. Und wie eine aufgezogene Spieluhr hörte er damit so schnell nicht mehr auf. Nils reagierte langsam. Er zog den Kleinen zu sich, streichelte ihm über den Kopf und tröstete ihn. Anna kam mit einem Blech Schokoladenmuffins aus der Küche. „Musst du deine Sachen immer im Wohnzimmer herum fliegen lassen?“, fragte sie. Nils antwortete nicht. Mit stoischer Ruhe räumte er die Bücher zurück ins Regal, die Zettel in den Flur, die Stifte in sein Arbeitszimmer.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-429"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Wir aßen Muffins. Anna fragte mich, wo ich studiert hatte und ich fragte sie, wo sie studiert hatte. Dann schwiegen wir. Ausgiebig. Finn aß seinen Muffin unter dem Tisch. Anna fragte mich, wie mir die Stadt gefiel und ich fragte sie, wie ihr die Stadt gefiel. Zwischen ihren schicken Designermöbeln hatte ich wenig Lust von meinem Job als Maskenbildnerin am Theater zu erzählen. Oder von meinem Konto, das am Monatsende immer im Minus war. Finn schmatzte und warf kleine Muffinstücke auf den Boden. Offenbar war er satt. Anna stöhnte und verdrehte theatralisch die Augen. Nils holte betont langsam einen Lappen aus der Küche und wischte die Krümel weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Als das Schweigen zwischen uns greifbar wurde ging Anna mit Finn spazieren. „Es gibt kein schlechtes Wetter. Auch nicht für Kinder“, sagte sie. Nils und ich blieben in der Wohnung und aßen die restlichen Muffins auf. „Hast du dem Kind nichts übrig lassen?“, würde Anna vorwurfsvoll sagen, wenn sie zurückkam. Mit Muffinkrümeln im Mund erzählte Nils mir den Rest seines Zombie-Traums: „Mit langsamen Bewegungen kam der Zombie unter meinem Bett hervor gekrochen. Das Blut tropfte aus einer klaffenden Wunde neben seinem Mund. Ich versteckte mich unter der Bettdecke und fragte mich, warum direkt nach dem Aufwachen ein Zombie durch mein Zimmer marschierte. Da zog der Zombie mir die Decke weg und sagte: Dreh dich um und schlaf weiter. Ich bringe deinen Sohn in die Kita. Und das Mittagessen koche ich auch.“ Nils schüttelte sich. Das entstellte Gesicht des Zombies ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte schon im Internet recherchiert, aber für Zombies gab es in den Traumdeutungsforen keine Einträge. Seine Hände zitterten, als er mir neuen Kaffee einschenken wollte. Die braune Brühe lief das Tischtuch entlang und tropfte auf den hellen Teppich.</p>
<p style="text-align: justify;">Während Nils den Fleck mit einem Lappen noch tiefer in den Teppich rieb, erzählte ich ihm das Neuste von unseren alten Freunden. Von Betty und Lutz, die sich selbstständig gemacht hatten und ihre eigene Biersorte auf den Markt bringen wollten. Oder von Patrick, der in England Surfboardshaping studiert hatte und bald seine eigene Surfschule auf Bali eröffnen wollte. Nils warf den Lappen in den Müll. „Ich habe auch neue Pläne“, sagte er. Ich sah ihn erwartunsgvoll an. Würde er sich von Anna trennen und alleine um die Welt reisen? Oder wollte er mit mir eine Band gründen und in einem knallgelben VW-Bus auf Konzertreise gehen? Nils sah mir fest in die Augen und sagte: „Nächsten Monat laufe ich beim Zombie-Walk in Berlin mit. Kannst du mir dafür ein paar schöne Wunden ins Gesicht schminken?“</p>
<p style="text-align: justify;">Der erste Satz stammt aus „Dying to live“ von Kim Paffenroth. Ein Vorschlag von Milan Pešl.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Caio Schiavo</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=429&amp;md5=75cd6baa882563a315cc9ea55138d469" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Ganz egal woran ich gerade denke&#8230;</title>
		<link>http://www.amanfang.de/ganz-egal-woran-ich-gerade-denke/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:24:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Ganz egal woran ich gerade denke, am Ende denke ich immer nur an dich.“ * Simons Musik dröhnte durch das ganze Ferienhaus. Er hatte sich im Zimmer eingeschlossen, reagierte nicht auf die lauten Rufe von Karl und war nicht einmal zum Frühstück nach unten gekommen. Als sich die Zimmertür mittags immer noch nicht in den [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>„Ganz egal woran ich gerade denke, am Ende denke ich immer nur an dich.“ *</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amanfang.de/ganz-egal-woran-ich-gerade-denke/see/" rel="attachment wp-att-391"><img class="alignnone size-full wp-image-391" title="Foto: Peter Nijenhuis" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/01/see.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Simons Musik dröhnte durch das ganze Ferienhaus. Er hatte sich im Zimmer eingeschlossen, reagierte nicht auf die lauten Rufe von Karl und war nicht einmal zum Frühstück nach unten gekommen. Als sich die Zimmertür mittags immer noch nicht in den Angeln bewegt hatte, stellte Karl ein paar Scheiben Toast und ein Glas Nutella vor Simons Zimmer und schob einen Zettel unter der Tür durch. Nichts passierte. Karl setzte sich auf die Veranda, die nackten Füße im Gras. Neben ihm stand die ausgebeulte Angeltasche mit den Karpfenruten, dem Kescher, den Ködern. Er beobachtete die Kinder im Nachbarsgarten, die kreischend Fangen spielten. Auf dem See schnatterten Enten, die Bäume bogen sich im Wind.</p>
<p style="text-align: justify;">Simon hatte sich das Wochenende mit seinem Großvater zum 18. Geburtstag gewünscht. Angeln, im See schwimmen, grillen. Sie hatten alles bis ins letzte Detail geplant. Doch seit seiner Ankunft hatte Simon nur einsilbige Antworten gegeben und sich die restliche Zeit im Zimmer verbarrikadiert. Nur einmal ging das Fenster kurz auf, als Simon ein Foto zerriss und die Fetzen wie dicke Schneeflocken in den Garten rieseln ließ. Karl puzzelte das Foto Stück für Stück wieder zusammen. Seitdem wusste er, dass es um ein Mädchen ging. Und dass das Mädchen kurze blonde Haare hatte.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-389"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Karl lehnte sich an das Geländer der Veranda. Auch er hatte Fotos zerrissen, gegen die Decke gestarrt und in Gedanken die Zeit zurückgedreht, wieder und wieder. Er zog die Falten an seinen Händen nach. Wie lange das alles her war. Wenn er die Augen schloss, konnte er Eva zum See laufen sehen. Wie sie ihre Arme vor dem Körper kreuzte, um ihr helles Kleid auszuziehen. Wie sie mit schnellen Bewegungen das Wasser durchkämmte, während ihr Kleid in einem der Äste hing und gespensterhaft vom Wind hin und her getrieben wurde. Wenn Karl die Augen noch fester schloss, konnte er sehen, wie Eva danach zu ihm zurückkam. Mit kleinen Schritten zur Veranda lief, sich in ein Handtuch wickeln ließ und neben ihm in der Sonne döste, bis eine Gänsehaut über ihre Arme und Beine krabbelte. Er erinnerte sich, wie er sie schwankend ins Haus getragen hatte und glaubte für einen Moment ihr Gewicht in seinen Armen spüren zu können.</p>
<p style="text-align: justify;">Enten schnatterten. Karl öffnete die Augen und sog die kühlere Luft ein, die vom See zu ihm herüber wehte. Seine Füße waren kalt geworden. Er bewegte langsam die Zehen, bis das Blut wieder zirkulierte. Beim Aufstehen stützte er sich am Geländer ab. Sein Blick fiel auf den Fußball neben der Treppe, der viel Luft verloren hatte. Er kickte ein paar Mal dagegen und jonglierte den schlaffen Ball auf den Oberschenkeln. Zwei Bäume unweit des Wassers erklärte er zu seinem Tor. Erst als der Ball im See landete, wurde ihm die ungünstige Lage seiner Torpfosten bewusst. Er zog seine Sachen aus, warf sie über einen der Äste. Fröstelnd stieg er in das kalte Wasser, schwamm ein paar Züge und atmete schnaufend ein und aus, so wie er es von Eva in Erinnerung hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit dem Ball in der Hand ging er ins Haus zurück, duschte und zog sich wärmere Sachen an. Er rief nach Simon, aber es kam keine Antwort. Er klopfte an der Tür. Nichts. Er rüttelte am  Türgriff. Abgeschlossen. Karl seufzte. Im Wohnzimmer fiel sein Blick auf seinen staubigen Plattenspieler. Karl pustete den Staub weg, legte eine Johnny Cash-Platte auf. Um Simons Musik zu übertönen, drehte er den Lautstärkeregler nach oben. In der Küche briet er sich ein paar Würstchen und holte eine Packung Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank. Er türmte das Essen auf einen Teller und ging nach draußen. Mit einem Bier in der Hand und seinen alten Liedern im Ohr blickte er auf den See. Er rülpste laut und lachte, weil ihn niemand hören konnte. Selten hatten ihm ein paar Würstchen so gut geschmeckt. Mit den Füßen klopfte er den Takt auf den Boden, summte den Refrain mit. Da ging im ersten Stock das Fenster auf. „Seit wann hörst du so gute Musik?“, fragte Simon.</p>
<p style="text-align: justify;">Der erste Satz stammt aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZMx5Q94Z0DY" target="_blank">„Am Ende denk ich immer nur an dich“</a> von Element of Crime. Ein Vorschlag von Nico Löwinger.</p>
<p>Foto: Peter Nijenhuis</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=389&amp;md5=bf52a20a0cbb212fc76bf3a55dcd19b7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Es reicht doch schon, wenn ICH schwierig bin.</title>
		<link>http://www.amanfang.de/es-reicht-doch-schon-wenn-ich-schwierig-bin/</link>
		<comments>http://www.amanfang.de/es-reicht-doch-schon-wenn-ich-schwierig-bin/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 09:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Es reicht doch schon, wenn ICH schwierig bin. * Ich erkenne dich nicht wieder“, sagte Paul. Er hatte seine Arme vor dem Bauch verschränkt und starrte sie an. „Du übertreibst“, antwortete Marta. „Von einem Tag auf den anderen änderst du dich. Da mache ich nicht mit.“ „Ich gehe schlafen.“ „Das geht nicht. Sonst bist du [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">„Es reicht doch schon, wenn ICH schwierig bin. *</p>
<div><a href="http://www.amanfang.de/es-reicht-doch-schon-wenn-ich-schwierig-bin/paar-2/" rel="attachment wp-att-371"><img class="alignnone size-full wp-image-371" title="Foto: Daniel Horacio Agostini" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/01/paar1.jpg" alt="Älteres Ehepaar auf einer Bank" width="500" height="424" /></a></div>
</p>
<p style="text-align: justify;">Ich erkenne dich nicht wieder“, sagte Paul. Er hatte seine Arme vor dem Bauch verschränkt und starrte sie an.<br />
„Du übertreibst“, antwortete Marta.<br />
„Von einem Tag auf den anderen änderst du dich. Da mache ich nicht mit.“<br />
„Ich gehe schlafen.“<br />
„Das geht nicht. Sonst bist du immer nach mir ins Bett gegangen.“<br />
„Das ist jetzt vorbei.“</p>
<p style="text-align: justify;">Warum Paul schwierig war:</p>
<ol>
<li>Sein Kleiderschrank war nach Farben sortiert. Die Farbe blau durfte darin nicht vorkommen &#8211; sonst bekam er Kopfschmerzen.</li>
<li>Mehrmals am Tag machte er zehn Kniebeugen im Wohnzimmer.</li>
<li>Wenn er etwas erzählte, begann er mit einer genauen Datumsangabe. Sollte ihm ein Datum entfallen sein, konsultierte er seinen Kalender, den er immer bei sich trug. Erst dann setzte er seine Erzählung fort.</li>
<li>Das Telefon durfte nur zwischen 12 und 18 Uhr eingestöpselt sein. Zu jeder anderen Uhrzeit störte ihn das Klingeln in seinem wohlverdienten Ruhestand.</li>
<li>Er konnte erst schlafen, wenn er den Immobilienteil der Tageszeitung durchforstet hatte – dabei hatte er längst ein Haus gekauft und keinen Grund sich nach etwas anderem umzusehen.</li>
</ol>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-360"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Zu den Themen, die in Pauls Anwesenheit nicht angesprochen werden durften, gehörten: Wintersport (er hatte sich im Februar 1992 bei einer Abfahrt beide Arme gebrochen), Aristoteles (er konnte im April 1977 bei seiner Abschlussprüfung in Philosophie den Autor der Nikomachischen Ethik nicht benennen) und Oskar, sein einziger Sohn (Oskar hatte 2001 eine Tänzerin, 2003 eine Apothekerin und 2008 eine Synchronschwimmerin geschwängert und alle drei ohne eine Spur von Reue direkt nach der Geburt der Kinder verlassen).</p>
<p style="text-align: justify;">Warum Marta seit Neustem schwierig war:<br />
Seit ihr eine entfernte Cousine aus New York nach jahrelangem Schweigen zum Geburtstag eine Karte geschickt hatte, hing sie mehrmals die Woche auch zu später Stunde am Telefon und ließ sich von der Cousine (zweifach geschieden mit vier Kindern von drei Männern) das Neuste aus den Staaten erzählen. Nachmittags brachte sie sich mit einer Übungs-DVD Yogaübungen im Wohnzimmer bei – ausgerechnet an der Stelle, die Paul für seine Kniebeugen reserviert hatte. Heimlich traf sie sich mit Oskar in der Stadt und kaufte auf seine Empfehlung hin ein sündhaft teures blaues Kleid. Sie trug es regelmäßig, auch wenn Paul sich bei ihrem Anblick an den Kopf fasste und das Gesicht vor Schmerzen verzog. Wenn er ihr an diesen Tagen zu allem Überfluss nicht zuhörte und als Antwort auf ihre Fragen nur nickte, packte sie kleine Geschenke für die Cousine im Immobilienteil der aktuellen Zeitung ein.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Tag nach ihrem Disput saß Paul mit geschlossenen Augen im Wohnzimmer und lauschte den Arien seiner Lieblingsoper „Madame Butterfly“. Marta ging grußlos aus dem Haus und setzte sich in ihr Stammcafé ein paar Straßen weiter. Sie sah den Torten zu, die sich in der Glasvitrine langsam um ihre eigene Achse drehten. Den bestellten Schokoladenkuchen ließ sie nach dem ersten Bissen zurückgehen, weil er ihr zu süß war. Die Kellnerin sah sie mit großen Augen an. „Haben sie einen schlechten Tag erwischt?“, fragte sie. Marta winkte unwirsch ab. Sie rührte den Kandis in ihren Tee und klopfte sich selbst auf die Schulter.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einem der Telefonate mit der Cousine war es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen: Sie lebte ein Leben nach Pauls Vorstellungen. Wenn sie etwas erzählte, suchte sie automatisch nach der passenden Jahreszahl. Im Haus bewegte sie sich auf Zehenspitzen – nur um Paul nicht zu stören. Und ihre blauen Pullover hatte sie in die Altkleidersammlung gebracht. „Ich habe auch ein Recht darauf, schwierig zu sein“, sagte sie laut vor sich hin, während die Kellnerin aus der drehenden Glasvitrine ein Stück Erdbeerkuchen nahm und vor ihr auf den Tisch stellte.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Marta nach Hause kam, hatte Paul seine Ski aus dem Keller geholt und in den Flur gestellt. „Was hältst du davon, wenn wir für ein paar Tage in die Berge fahren?“, fragte er.</p>
<p style="text-align: justify;">* Der erste Satz stammt von Heidi Eller.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Daniel Horacio Agostini</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=360&amp;md5=60e673fe3a391d5d283597bfadf20c11" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Nun bin ich also da, angekommen im dicken B., glücklich.</title>
		<link>http://www.amanfang.de/nun-bin-ich-also-da-angekommen-im-dicken-b-glucklich/</link>
		<comments>http://www.amanfang.de/nun-bin-ich-also-da-angekommen-im-dicken-b-glucklich/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 22:15:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Nun bin ich also da, angekommen im dicken B., glücklich.* Es ist Sommer. Ein fast wolkenloser Sommer. Alice und ich laufen durch die Straßen, in der Hand ein Eis mit drei Kugeln. Es ist unser erster Monat in der Hauptstadt, fernab von den Eltern. Unser erstes Semester an der Uni hat noch nicht begonnen und [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Nun bin ich also da, angekommen im dicken B., glücklich.*</p>
<div><a href="http://www.amanfang.de/nun-bin-ich-also-da-angekommen-im-dicken-b-glucklich/ampel2-2/" rel="attachment wp-att-344"><img class="alignnone size-full wp-image-344" title="Foto: iwanp." src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2012/01/ampel21.jpg" alt="Eine Ampel vor blauem Himmel" width="500" height="333" /></a></div>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">Es ist Sommer. Ein fast wolkenloser Sommer. Alice und ich laufen durch die Straßen, in der Hand ein Eis mit drei Kugeln. Es ist unser erster Monat in der Hauptstadt, fernab von den Eltern. Unser erstes Semester an der Uni hat noch nicht begonnen und wir lassen uns treiben. Wir schlafen bis mittags, dann ziehen wir los. Stundenlang laufen wir durch das Viertel oder fahren mit der U-Bahn von der einen Ecke der Stadt in die andere. Ziellos. Alice hat ihre Kamera um den Hals gehängt und fotografiert die Passanten, die Graffitis, sogar die Ampelmännchen. Da fällt mir Jonas wieder ein. Ausgerechnet Jonas.</p>
<p style="text-align: justify;">„Jonas?“, fragt Alice, „wer war noch einmal Jonas?“ „Ein Junge aus meiner Nachbarklasse. Das Ganze ist Jahre her. Ich war 14 und hatte mein ganzes Tagebuch mit Jonas-Gedanken gefüllt. Das längste Kapitel hieß: &#8216;Was ich zu Jonas sagen könnte, wenn ich ihm eines Tages zufällig über den Weg laufe und er stehen bleibt&#8217;. Wir liefen uns oft über den Weg, Jonas und ich. Aber er blieb nicht stehen. Nie.</p>
<p style="text-align: justify;">Alice und ich setzen uns in den Park. Alice breitet ihre gepunktete Decke aus und legt sich in die Sonne. „Erzähl weiter!“, murmelt sie. „Bis ich beim Schullauf gestartet bin und Jonas auf der Tribüne entdeckt habe. Auf einmal lief ich schneller als jemals zuvor, überholte die anderen nach einer halben Runde. Ich hielt den Vorsprung bis ins Ziel. Jonas sprang vom Sitz auf, streckte die Faust in die Höhe. Die Anstrengung war vergessen. Er lief die Treppen herunter, kam zu mir auf die Aschenbahn. Während ich meine Spikes auszog, fragte er, ob ich Lust auf ein Eis hätte. Ich nickte. Auf dem Weg zur Eisdiele schob er seine Hand in meine. Wortlos. Danach waren wir ein Paar. Wir sprachen nicht darüber. Aber er wartete jeden Tag nach dem Unterricht auf mich und brachte mich nach Hause.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-324"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Am letzten Schultag vor den Sommerferien hatten wir mehr Zeit. Wir schlenderten durch die Straßen. Ich stellte mir vor, wie ich jeden Ferientag mit Jonas verbringen würde. Von früh bis spät.  Von einem Baum klauten wir Kirschen, hängten sie über unsere Ohren. Wer die Kirschen zuerst verlor, musste den anderen hundert Meter tragen. Ich musste lachen und die Kirschen fielen auf die Straße. Jonas klammerte sich an meinen Rücken, ich trug ihn taumelnd ein paar Meter. Dann fielen wir ins Gras. Als wir uns küssten, zuckte er zusammen. Er stand auf und wollte weitergehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich hüpfte vom Gehweg auf die Straße, vom Gehweg auf die Straße, vom Gehweg auf die Straße. An einer roten Ampel blieben wir stehen. Ich muss dir etwas sagen, flüsterte Jonas, es fühlt sich komisch an, dich zu küssen – besser wir trennen uns. Die Ampel wurde grün. Er ging alleine weiter, drehte sich nicht mehr zu mir um. Die Ampel wurde rot, grün, rot, grün. Ich verstehe das nicht, komm zurück, dachte ich. Aber er war fort. Die Ampel wurde rot, grün, rot, grün. Ich lief in einem Zickzackkurs durch die Stadt, wich allen Ampeln aus. Komm zurück, rief ich laut.</p>
<p style="text-align: justify;">Es war der erste von vielen Ferientagen, die ich trotz strahlend blauem Himmel zu Hause verbrachte. Ich versuchte, mein Ampel-Kuss-Trauma zu überwinden. Wer weiß, dachte ich, vielleicht hatte Jonas Recht. Vielleicht konnte ich nicht küssen. Ich lieh mir einen Stapel Liebesfilme aus der Stadtbibliothek aus. Die Kusszenen liefen im Dauerloop. Ich beobachtete Meg Ryan und Tom Hanks, Julia Roberts und Richard Gere, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio beim Küssen. Was konnten sie, das ich nicht konnte? Ich beobachtete frisch Verliebte auf der Straße, analysierte den Neigungswinkel ihrer Köpfe, die Position ihrer Hände, die durchschnittliche Dauer ihrer Küsse.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst am Ende der Ferien erwachte ich aus der apathischen Starre. Als ich im Spiegel meine käsige Haut sah, setzte ich mich auf mein Fahrrad und fuhr ins Freibad. Da entdeckte ich Jonas. Hand in Hand mit Niklas, einem Jungen aus meiner Klasse. An einer roten Ampel blieben die beiden stehen, küssten sich. Die Ampel wurde grün, rot, grün, rot. Mit ein paar Metern Sicherheitsabstand beobachtete ich die beiden. Rieb mir die Augen. Doch egal wie oft ich meine Augen öffnete und wieder schloss, es war Jonas. Hand in Hand mit Niklas.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Alice setzt sich auf. „Hast du ihn zur Rede gestellt?“ Ich schüttle den Kopf. Bis heute habe ich nicht mehr mit Jonas gesprochen. Kein einziges Mal. „Ich weiß, wie du dein Ampel-Kuss-Trauma überwinden kannst“, sagt Alice. Und zeigt auf die zwei Jungs, die einen Platz für ihre Picknickdecke suchen. Sie winkt ihnen zu.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist Sommer. Ein fast wolkenloser Sommer. Mitten in Berlin. Wir sitzen zu viert im Park. Es riecht nach Sonnenmilch und Pommes. Einer der beiden Jungs spielt Gitarre. „Wer war noch einmal Jonas?“, denke ich und singe mit.</p>
<p style="text-align: justify;"> *Der erste Satz stammt von Jana Scholz.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: iwanp.</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=324&amp;md5=20c3e24e9fa76380dd7fa79a69078cc5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Welche Erfahrungen hast du mit Bypass-Operationen gemacht?</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 13:03:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&#8220;Welche Erfahrungen hast du mit Bypass-Operationen gemacht?“ * Es ist acht Uhr morgens. Omas Anruf reißt mich aus dem Schlaf. „Ich bin im zweiten Semester!“, antworte ich krächzend. „Das haben wir noch nicht behandelt.“ Doch Oma lässt sich nicht abschütteln. „Du musst doch irgendetwas über Bypass-Operationen wissen! Bringen sie dir denn nichts bei an der [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Welche Erfahrungen hast du mit Bypass-Operationen gemacht?“ *</strong></p>
<p><a href="http://www.amanfang.de/welche-erfahrungen-hast-du-mit-bypass-operationen-gemacht/oma/" rel="attachment wp-att-267"><img class="alignnone size-full wp-image-267" title="Foto: Mario Vercelotti" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2011/12/oma.jpg" alt="" width="500" height="348" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Es ist acht Uhr morgens. Omas Anruf reißt mich aus dem Schlaf. „Ich bin im zweiten Semester!“, antworte ich krächzend. „Das haben wir noch nicht behandelt.“ Doch Oma lässt sich nicht abschütteln. „Du musst doch irgendetwas über Bypass-Operationen wissen! Bringen sie dir denn nichts bei an der Uni?“ Ich laufe in Boxershorts zum Regal, ziehe eines meiner Medizinbücher hervor. „Überbrückung verengter Herzgefäße durch eine Umleitung. Zur Überbrückung dienen kleine Venenstücke aus dem Unter- oder Oberschenkel.“ Sie ist zufrieden. Merkt nicht, dass ich ihr aus einem Buch vorlese. „Bis bald“, sagt sie und legt auf.</p>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Morgen klingelt das Telefon wieder um 8 Uhr. „Was ist eine Herz-Lungen-Maschine? Und wie hoch ist das Herzinfarktrisiko bei einer Bypass-Operation?“ Oma ist im Gegensatz zu mir hellwach. „Warum willst du das alles wissen?“, frage ich.<br />
„Liese muss ins Krankenhaus. Sie wollen sie am Herzen operieren. Da muss ich doch Bescheid wissen.“ Liese ist ihre Nachbarin. Seit sechzig Jahren wohnen sie Tür an Tür. Und seit ihre Männer gestorben sind, verbringen sie jeden Nachmittag zusammen. Bei Kaffee und Kuchen. Nach einem kurzen Schweigen sagt meine Oma noch: „Wir müssen uns mal wieder sehen!“<br />
„Vielleicht im Sommer. In den Semesterferien.“<br />
„Dann bringst du deine neue Freundin mit! Wie heißt sie nochmal? Nein, warte, das weiß ich doch. Das hast du mir schon gesagt. Sabine. Nein. Sandra. Nein. Jetzt weiß ich es wieder. Sara. Stimmt’s?“ Sie wartet meine Antwort nicht ab. „Wenn ihr kommt, backe ich eine Schwarzwälderkirschtorte für euch!“</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-265"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Die Zeit bis zum Sommer rast an mir vorbei. Testate, ein Krankenhauspraktikum, der Erste-Hilfe-Kurs. Und natürlich Sara. Sie verbringt längst mehr Zeit bei mir als in ihrer WG. Um sie zu beeindrucken teste ich neue Rezepte für sie. Koche Rote-Bete-Suppe mit Holunder, Lammcurry mit Feigen oder Pfannkuchen mit Ziegenkäse und Honig. Abends führt Sara mich in die Kunst der Stummfilme ein. Wenn ich zwischendrin einschlafe, schüttelt sie mich wieder wach. Ich erzähle Sara, dass Oma vor Monaten ihre Fernbedienung verlegt hat. Dass seitdem nur noch ein Fernsehprogramm läuft. Tagein, tagaus. „Die Welt ist viel zu schnell für mich geworden!“, sagt sie, „Die Leute gehen in Kinos und ich komme nicht einmal mit dem Fernseher zurecht!“</p>
<p style="text-align: justify;">Ein paar Tage vor den Semesterferien klingelt das Telefon. Es ist halb acht. „Oma ist früher aufgestanden“, denke ich. Doch es ist mein Vater. Oma sei in der Nacht gestorben. In ihrem eigenen Bett. An einem Herzinfarkt. Ich weiß nicht, was ich zu ihm sagen soll. Oma war doch gesund, denke ich, Sorgen haben wir uns doch um Liese gemacht. Wir schweigen ein paar Minuten, dann legen wir auf. Ich verkrieche mich unter der Decke. Klammere mich an Sara fest. Schlafe noch einmal ein.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ich wieder aufwache, halte ich alles für einen bösen Traum. Doch als ich Omas Nummer wähle, meldet sich Liese. Sie weint. „Wie geht es deinem überbrückten Herzen?“, frage ich. Doch Liese lässt sich nicht ablenken. Sie weint weiter. Dann erzählt sie von Omas letztem Abend. Oma hat Lieses Kuchen nicht angerührt und über Bauchschmerzen, Atemnot und Übelkeit geklagt. Sie haben mich mehrmals angerufen, aber nicht erreicht. Schließlich haben sie den Hausarzt geholt. Oma hat einen Herzinfarkt vermutet, wollte ins Krankenhaus. Doch der Arzt hat sie mit einer Wärmflasche zurück ins Bett geschickt. Liese weint wieder. Sie legt auf ohne sich von mir zu verabschieden.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich gehe langsam in die Küche. Stelle Mehl, Eier, Zucker und Butter auf den Tisch. Dazu Schokolade, Sahne und Backpulver. Als ich die Kirschen aus der Vorratskammer hole, fragt Sara, was ich vorhabe. „Ich backe eine Schwarzwälderkirschtorte“, antworte ich und wiege die Zutaten ab. „An einem Montag vor dem Frühstück?“, fragt Sara. Ich nicke nur.</p>
<p style="text-align: justify;">* Der erste Satz stammt von Magdalene Sahm.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Mario Vercelotti</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=265&amp;md5=5e4abed86c63d4d37086c5b4d38f6a1e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Aber Micha starb nicht.</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 09:27:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nina Sahm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Aber Micha starb nicht. * „Es kann sich nur noch um Stunden handeln“, hatte der Arzt gesagt. Die ganze Familie eilte daraufhin ins Krankenhaus. Alle wollten Micha ein letztes Mal sehen. Selbst ein paar entfernte Cousinen waren gekommen.  Jeder hatte ihm ein letztes Geschenk mitgebracht. Micha war entkräftet. Konnte nicht mehr aufstehen. Er bat die [...]</p><p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Aber Micha starb nicht. *</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amanfang.de/aber-micha-starb-nicht/himmel/" rel="attachment wp-att-278"><img class="alignnone size-full wp-image-278" title="Foto: Gustavo Mandú" src="http://www.amanfang.de/wp-content/uploads/2011/12/himmel.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">„Es kann sich nur noch um Stunden handeln“, hatte der Arzt gesagt. Die ganze Familie eilte daraufhin ins Krankenhaus. Alle wollten Micha ein letztes Mal sehen. Selbst ein paar entfernte Cousinen waren gekommen.  Jeder hatte ihm ein letztes Geschenk mitgebracht. Micha war entkräftet. Konnte nicht mehr aufstehen. Er bat die Familie, die Geschenke für ihn auszupacken. Und auf der Fensterbank aufzureihen, damit er sie immer sehen konnte. In der Reihe standen: selbstgestrickte Socken von seiner Schwester Josefine. Eine Flasche Whisky von seiner Stammtischrunde. Ein ferngesteuertes Auto von seinem Enkel Tom. Ein Bildband mit Aktfotografien von seinem Nachbarn. Ein Nierenwärmer von den Cousinen. Und eine Schachfigur von mir.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit der Hiobsbotschaft des Arztes war eine Woche vergangen. Micha lebte noch. Er lag in seinem Bett, eingewickelt in mehrere Decken. Wenn niemand bei ihm war, beobachtete er die Sturzflüge der Vögel vor seinem Fenster. Oder er dachte sich ausgeklügelte Schachzüge aus. Die letzten Partien gegen ihn hatte ich immer gewonnen. Wenn er verlor, ließ er seine Faust auf den Tisch sausen. &#8220;Sapperlot&#8221;, sagte er dann, &#8220;heute ist einfach nicht mein Tag!&#8221; Ich hatte Micha versprochen, jeden Nachmittag vorbeizukommen. Und ich hielt mich daran.</p>
<p style="text-align: justify;">Micha war mein Mitbewohner. Er war sechzig Jahre alt. Doppelt so alt wie ich. Seit dem Tod seiner Frau vermietete er ein Zimmer in seiner Wohnung an mich weiter. Er wollte nicht alleine sein. Abends spielten wir Schach und tranken Wein dazu. Bis die Hausverwaltung allen Mietern ein Schreiben schickte: die Wohnungen sollten verkauft werden. Sobald sich ein Käufer fände, müssten wir ausziehen. &#8220;Potztausend!&#8221;, rief Micha. Er hatte sein ganzes Leben in der Wohnung verbracht. Er wollte die Wohnung nach seinem Tod an mich weitergeben. Und an niemanden sonst.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-277"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Bei einem Glas Rotwein verriet er mir seinen Plan: Er würde vor jedem Besichtigungstermin eine gnadenlose Unordnung verbreiten. Die Möbel verrücken, die Glühbirnen heraus drehen, leere Weinflaschen verteilen. Ob ich ein paar Zigaretten in meinem Zimmer rauchen und die Stummel auf den Teppich werfen könnte? Er lachte laut auf. „Tausendsackerment! Mich wirft niemand aus meiner Wohnung!“ Als er unerwartet krank wurde und ins Krankenhaus musste, führte ich seinen Plan alleine fort. Er ließ mir eine detaillierte Anleitung zurück. Es dauerte Stunden bis die Wohnung chaotisch genug war. Und noch länger, bis sie wieder ordentlich war.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei jedem Besuch im Krankenhaus musste ich Micha von den Interessenten erzählen. Wie sie aussahen, wie sie auf das Chaos reagiert hatten. Sogar die Zeit, die sie in der Wohnung verbrachten, musste ich stoppen. Der Rekord betrug acht Minuten. Manche drehten schon im Flur naserümpfend wieder um. Micha lachte, wenn ich ihm davon erzählte. Einmal lachte er so laut, dass der Arzt herein kam. Ich solle Micha besser schonen, sagte er. Micha bliebe nicht mehr so viel Zeit. Aber Micha starb und starb nicht. Ein Mysterium, sagte der Arzt. Ein Mysterium, sagte auch Michas Familie. Nur ich wusste Bescheid. Es war kein Mysterium. Micha wartete mit dem Sterben. Er wartete, bis ich meine Mission erfüllt und den letzten Käufer vergrault hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">* Der erste Satz stammt aus „Alice“ von Judith Hermann. Ein Vorschlag von <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/jetztpage/nadja-schlueter" target="_blank">Nadja Schlüter</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Gustavo Mandú</p>
<p><a href="http://www.amanfang.de">AM ANFANG</a></p> <p><a href="http://www.amanfang.de/?flattrss_redirect&amp;id=277&amp;md5=894fa8b6e33747e131dca87f64cf2213" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.amanfang.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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